Autor: Thomas Steibadler, 26.07.2017

Martin Böhnisch unterrichtet seit 2009 in Dornstadt. Seit wenigen Wochen leitet er die Bühl-Realschule. Fotograf: Matthias Kessler

 

In der Realschule wird das zum Realschulabschluss führende mittlere Niveau sowie das zum Hauptschulabschluss führende grundlegende Niveau unterrichtet.“ So formuliert das Kultusministerium die Doppel-Aufgabe für Martin Böhnisch und seine Kollegen. Seit drei Wochen erst ist Böhnisch Leiter der Bühl-Realschule und damit verantwortlich dafür, dass die Vorgabe aus Stuttgart in Dornstadt umgesetzt wird.

Wie das Ziel erreicht werden soll, gibt das Ministerium ebenfalls grob vor: „Ab Klasse 7 werden die Schülerinnen und Schüler zielgerichtet auf den Realschulabschluss beziehungsweise auf den Hauptschulabschluss vorbereitet.“ Das bedeutet: Im kommenden Schuljahr werden die Siebtklässler erstmals auf G- oder auf M-Niveau unterrichtet.

Eine Differenzierung, die für Böhnisch einerseits wichtig und richtig, aber auch nicht neu ist. An der Realschule – Böhnisch lehrt seit 2009 in Dornstadt Deutsch, Biologie und katholische Religionslehre – seien schon immer unterschiedlich begabte Kinder und Jugendliche unterrichtet worden. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung habe das noch verstärkt. Das Schlagwort von der „neuen Heterogenität der Realschule“ trifft daher nicht zu, meint Böhnisch: „Unsere Schülerschaft war schon immer heterogen, wir haben damit kein Problem.“

Andererseits berge eine zu starke Differenzierung die Gefahr, die Schüler in Schubladen zu stecken, sie auf einen Buchstaben zu reduzieren. Aus diesem Grund, sagt Böhnisch, spreche er lieber von „Beginner-“ und Starter-“ oder von „Profiniveau“ als von G- und M-Niveau.

Mit dieser Differenzierung kommt auch auf die Lehrer der Siebtklässler Neues zu: In den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird jedem ein so genannter Tandem-Kollege zur Seite gestellt. Dessen Aufgabe besteht darin, die Leistungen und Fähigkeiten der Schüler zu bewerten; „diagnostizieren, nicht benoten“, sagt Böhnisch. Auf Grundlage dieser Diagnose soll dann ein Förderpaket für den jeweiligen Schüler zusammengestellt werden. Dieses Modell wird in den folgenden Schuljahren dann auch in den Klassenstufen acht und neun praktiziert, und so entsteht mit der Zeit ein umfassender Materialpool.

Die Doppelrolle der Realschule, zur Mittleren Reife und zum Hauptschulabschluss zu führen, ist in Dornstadt vom kommenden Schuljahr an noch ausgeprägter. Die Werkrealschule kann wegen der geringen Anmeldezahlen keine fünfte Klasse mehr bilden. Dafür steigt an der Realschule die Zahl der Fünftklässler, die in drei Klassen unterrichtet werden, auf 74. Doch darin sieht Böhnisch kein Problem. Bereits seit vier Jahren gebe es an der Bühl-Realschule ein Lese-Förderung für alle Fünftklässler mit zusätzlichen Übungsstunden für schwächere Schüler. In Mathematik helfe seit drei Jahren „Paul“ den Schülern weiter: der Plan zum Arbeiten und Lernen.

Auch wenn Schulentwicklungs- und Bildungspläne den Arbeitsalltag des 45-jährigen Schulleiters maßgeblich prägen, bezeichnet sich der promovierte Pädagoge „als Lehrer mit Leib und Seele“. Die Lehrer-Persönlichkeit sei wichtiger als die Lehrmaterialien oder die Umgebung. „Die Wahrheit ist im Unterricht“, sagt Böhnisch. Sein Ziel sei es daher, die Lehrer zu stärken. „Den starke Lehrer bedeuten gute Schüler.“